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Der Baum auf dem Bracke

Adresse

30451 Hannover, Leineufer auf Höhe der Leinaustraße

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[Foto 2010: Michael Jürging]

[Foto 2010: Michael Jürging]

Der Baum auf dem Bracke

[Station 5 der Tour "Unvollständige Rückkehr an vergangene Orte"]

Nach der Schule fuhr ich mit dem Fahrrad Brote in die Lebensmittelgeschäfte in der Röttgerstraße, am Pfarrlandplatz und in der Ottenstraße aus.

Die Brote waren noch warm und dufteten frisch. Es kam vor, dass ich Stücke aus der Kruste herausbrach und im Fahren aufaß. Bemerkt hat es nie jemand.

Es waren immer je vier Brote in zwei Einkaufstaschen gesteckt, die ich an der Lenker hängte. Schon nach kurzer Zeit konnte ich längere Strecken freihändig fahren, auch um die Kurven.

Die Polizisten erwischten mich in der Velvetstraße, direkt vor der Volksschule Hennigesstraße, in die ich früher einmal gegangen war. Sie schrieben mich auf und ließen sich die Anschrift der Eltern geben, sagten, sie würden vorbeifahren und ein ernstes Wort mit ihnen reden, und ich könnte mich auf was gefasst machen!

Ich lieferte die Brote in der Röttgerstraße ab und trieb mich dann mehrere Stunden auf dem Trümmergelände am Brackebuschgarten herum. Ich kletterte auf einen Baum und schaukelte im Wipfel so heftig, wie ich nur konnte, in der Hoffnung, dass er abbrechen und ich abstürzen würde.

Aber der Baum brach nicht, und zum Springen fehlte mir der Mut. Ich stieg wieder hinunter, und als ich schließlich meiner Mutter gegenüberstand, war im Laden soviel zu tun, dass sie nur nebenbei sagen konnte: „Du bist alt genug, um zu wissen, dass man so etwas nicht tun darf!"

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