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Trümmergelände am Brackebuschgarten

Adresse

Brackebuschstraße
30451 Hannover

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[Foto 2010: Michael Jürging]

[Foto 2010: Michael Jürging]

Trümmergelände am Brackebuschgarten

[Station 4 der Tour "Unvollständige Rückkehr an vergangene Orte"]

In den Straßen der Umgebung verschwanden, wie überall, nach und nach die Ruinen aus dem zweiten Weltkrieg, in denen man Verstecken spielen konnte oder Cowboy und Indianer oder Krieg.

Es gab Höhleneingänge in Kellern, in die man kriechen musste. In ihnen war ich oft ganz allein und bildete mir ein, draußen wäre Nacht und die Nacht wäre taghell erleuchtet von den Christbäumen der Aufklärungsflugzeuge, denen die Bomber folgten, die einen Bombenteppich nach dem anderen legten, wie es sich die Erwachsenen aus dem Krieg noch oft erzählten.

Ich ließ ganz Linden in Schutt und Asche sinken, die hölzerne Leinaubrücke einstürzen. Die Hennigesschule fiel zusammen wie ein Kartenhaus zu einem rauchenden Trümmerhaufen. Alle Menschen starben. Ich war der einzige Überlebende.

Ich hatte ein einzigartiges Verhältnis zum Tod. Ich erschoss ständig jemanden. Die Jungen aus der Nachbarschaft im Spiel, meine Feinde in Gedanken, aber alle blieben am Leben.

Doch Leute kamen und räumten auf. Zuerst solche mit kleinen Hämmern und Handwagen, in die sie die vom Putz sorgfältig gesäuberten Steine sammelten. Ihnen folgten Kolonnen von Männern mit Spitzhacken und Schaufeln. Dann rückten Bagger an mit Fallbirnen und Greifern und LKWs mit Kippladeflächen.

Die Spielplätze wurden zu Bauplätzen. Sie wurden eingezäunt und Schilder wurden aufgestellt: Betreten verboten! Eltern haften für ihre Kinder!

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