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Familie Hermann und Caroline Rosenhoff

Adresse

Minister-Stüve-Straße 2
30449 Hannover

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Weitere Informationen

Wie die jüdischen Familien Plaut und Rosenberg wohnte auch Familie Rosenhoff um 1940 in der Minister-Stüve-Straße Nr. 2. Die Namensähnlichkeit Rosenberg/Rosenhoff hat im hannoverschen Adressbuch von 1940 zu einem fehlerhaften Eintrag geführt, denn dort sind beide Familien unter dem Namen Rosenberg verzeichnet. Dass es sich um jüdische Familien gehandelt hat, geht aus den Adressbüchern ab 1940 insofern hervor, dass die Männer den zusätzlichen Zwangsnamen "Israel" und die Frauen den Zusatznamen "Sara" tragen mussten.

Hermann Rosenhoff stammte aus dem westfälischen Unna, wo er am 31. März 1882 geboren wurde. Seine Berufsbezeichnungen haben im Laufe der Jahre mehrfach hin und her gewechselt. Eine Adressbuchrecherche von Lars Nebelung (Universitätsarchiv Hannover) brachte als Ergebnis:

- 1920: kein Eintrag
- 1921: Handlungsgehilfe
- 1924 und 1925: Justizbeamter
- 1926/27: Kaufmann
- 1927/28 bis 1933: kein Eintrag
- 1934 bis 1937: Justiz-Hilfsbeamter
- 1938 und 1939: Kaufmann

Reinhard Tenhumberg hat uns zur Erläuterung Folgendes mitgeteilt:

Nach meinen Daten war Hermann Rosenhoff beim Veterinäramt (Behörde) tätig. Dies erklärt auch den Eintrag Hilfsbeamter. Nachdem das Beamtenrecht 1933/34 geändert wurde, durfte kein Jude als Beamter geführt werden, sie wurden somit noch eine Zeitlang unter der Bezeichnung Hilfsbeamter geführt. Nach 1936/37 dürfte dies aber nicht mehr möglich gewesen sein. Nach Aussagen [einer überlebenden jüdischen Zeugin] soll er versucht haben, noch eine Zeitlang bis 1939 als Reisender zu arbeiten.

Caroline Rosenhoff (* 27. Dezember 1883), die Ehefrau von Hermann, war eine geborene Levy. Sie stammte aus Straßburg im Elsaß.

Tochter Paula kam am 30. September 1919 in Nürnberg zur Welt. Auch zu ihrer Person haben wir von Reinhard Tenhumberg eine Auskunft erhalten:

Sie war im Jahr 1927 in Nürnberg gemeldet, in den Unterlagen der Stadt findet sich ein Hinweis 'vorübergehend', so dass ich davon ausgehe, dass sie in einer Klinik bzw. einem Heim untergebracht war.

Eventuell besteht hier ein Zusammenhang zu einer Angabe in der Vermögenserklärung, die Paula Rosenhoff am 10. November 1941 für das Oberfinanzpräsidium Hannover ausfüllen musste. Demnach bezog sie, die damals erst 22 Jahre alt war, eine monatliche Unfallrente von 10,30 RM. Wir halten es für möglich - können es aber nicht belegen -, dass es sich bei dem vorübergehenden Aufenthalt in Nürnberg im Jahr 1927 um eine Reha-Maßnahme in einer örtlichen Klinik gehandelt hat.

Nach mehrmaligem Wohnungswechsel innerhalb Hannovers zog Familie Rosenhoff am 4. Juni 1937 in die Minister-Stüve-Straße Nr. 2, unmittelbar am Schwarzen Bären. Im Jahre 1939 wurde eine Volkszählung durchgeführt. Aus den Daten geht hervor, dass die Familie seinerzeit aus vier Mitgliedern bestanden hat: Für die Wohnung im I. Stock waren Hermann, Caroline, Paula und Dieter Rosenhoff (* 1. März 1938 in Hannover) gemeldet.

Unsere weiteren Recherchen haben ergeben, dass Dieter bei den Rosenhoffs für einige Zeit als Pflegekind Aufnahme gefunden hatte. Er hieß mit Nachnamen auch nicht Rosenhoff, sondern Rosen. Seine Mutter Lieselotte Rosen (* 25. November 1912) stammte aus Bleckede an der Elbe. Seit 1936 lebte sie in Hannover und war als Hausangestellte tätig. Bei der Volkszählung im Jahr 1939 war sie in der Ferdinand-Wallbrecht-Straße Nr. 10 (Hannover-List) gemeldet. Ihr Sohn Dieter kam als uneheliches Kind zur Welt. Welche Verbindung zwischen Lieselotte Rosen und der Familie Rosenhoff bestanden hat, so dass Dieter dort in Pflege gegeben wurde, wissen wir nicht. Am 4. September 1941 musste Familie Rosenhoff von der  Minister-Stüve-Straße in die Ohestraße Nr. 9 umziehen. Das Haus wurde zusammen mit dem Nachbargebäude Nr.8 zwangsweise zu einem der hannoverschen "Judenhäuser" umfunktioniert. In der Nr. 8 war Lieselotte Rosen einquartiert. Sie heiratete am 17. November 1941 den Arbeiter Werner Rosenbaum (* 30. August 1904 in Bad Gandesheim), der im selben Haus lebte. Ob er der leibliche Vater von Dieter war, geht aus den vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Vermutlich ist Dieter Rosen mit dem Zwangsumzung in die Ohestraße wieder zu seiner Mutter bzw. seinen Eltern zurückgekehrt. Hermann Rosenhoff hat jedenfalls in der Vermögenserklärung vom 10. November 1941 als weitere Haushaltsmitglieder nur noch seine Ehefrau Caroline und Tochter Paula benannt.

Am 15. Dezember 1941 wurden die Familien Rosenhoff und Rosen/Rosenbaum in das Ghetto von Riga deportiert. Keiner von ihnen ist zurückgekehrt.

Ihre Namen sind auf dem hannoverschen Mahnmal am Opernplatz verzeichnet: Dieter Rosen - Lieselotte Rosenbaum, geb. Rosen - Werner Rosenbaum - Hermann Rosenhoff - Caroline Rosenhoff, geb. Levy - Paula Rosenhoff.

Quellen

Jüdische Geschäftsleute in Linden, schriftliche Mitteilung der Landeshauptstadt Hannover - Fachbereich Recht und Ordnung - vom 27.10.2010 mit telefonischer Ergänzung vom 24.02.2011

Jüdische Geschäftsleute in Linden, schriftliche Mitteilungen von Marlis Buchholz per e-mail vom 13.01. und 26.02.2011

Daten Familie Rosenhoff, schriftliche Mitteilungen von Reinhard Tenhumberg per e-mail vom 17.02. und 24.02.2011 (siehe auch: www.tenhumbergreinhard.de)

Anfrage zu Hermann Rosenhoff, schriftliche Mitteilung von Lars Nebelung (Universitätsarchiv Hannover) per e-mail vom 04.03.2011 an Stefan Bork (Personalrat der Universität Hannover) 

www.judeninbleckede.de/?Die_Namen:Lieselotte_Rosenbaum_geb._Rosen

Niedersächsisches Landesarchiv - Hauptstaatsarchiv Hannover (NLA-HStAH), Signatur: Hann. 210 Acc. 2004/023 Nr. 371

NLA-HStAH, Signatur: Hann. 210 Acc. 2004/023 Nr. 372

NLA-HStAH, Signatur: Hann. 210 Acc. 2004/023 Nr. 373

Diverse Adressbücher der Stadt Hannover

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