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Schwanenburg-Insel

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Hannover, westlich der Schwanenburgbrücke

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Die ehemalige Schwanenburg-Insel war ursprünglich der südliche Zipfel der Steintormasch, gehörte also zur Uferpartie auf Herrenhäuser Seite. Die Leine beschrieb hier einen weiten Bogen nach Süden.

Nach dem Bau des Mittellandkanals mit dem Zweigkanal Linden wurde die Leine 1917 begradigt und das Flussbett ausgebaut. Am rechten Ufer legte man zwischen „Dornröschen" und  Königsworther Straße einen neuen Güterhafen für die Stadt Hannover an. Für den Anschluss an den Zweigkanal Linden wurden der Leineabstiegkanal und die Schleuse am Stockhardtweg auf Höhe der „Conti" gebaut.

Mit der Leinebegradigung und dem Durchstich der Steintormasch war am linken Flussufer eine Insel von 300 Metern Länge und bis zu 80 Metern Breite entstanden. Sie war zunächst nur mit einem kleinen Fährboot von der Schwanenburg aus erreichbar. Unentwegte sind im Sommer auch einfach hinüber geschwommen.


Später verband eine hölzerne Fußgängerbrücke die Insel mit dem Festland. Sie wurde 1936 mit finanzieller Unterstützung der hannoverschen  Elektrogroßhandlung Ohlendorf & Franke errichtet. Denn seinerzeit ließ sich einer der Firmeninhaber täglich von seinem Chauffeur zur Insel fahren, um dort Sport zu treiben.


Als erste hatten sich dort der Turn-Club Limmer e.V. (gegründet 1892) und der Ruderverein Linden von 1911 häuslich eingerichtet. Der Ruderverein war ursprünglich am Ihmeufer zwischen der Brücke am Schwarzen Bären (heute Benno-Ohnesorg-Brücke) und der Hautklinik Linden im Gebäude des "Lindenhofes" beheimatet gewesen, ehe er ca. 1925/26 auf die Schwanenburg-Insel umzog. Sein Bootshaus und die Anlegestelle befanden sich am östlichen Ende im alten Leinebogen.

Daneben hat sich auch der Ruderverein Deutschland e.V. (gegründet 1884) etabliert. Dessen Bootshaus und Boote verbrannten jedoch 1943, als die Insel bei einem Luftangriff getroffen wurde. Der Ruderverein Deutschland e.V. fusionierte dann ca. 1947/48 mit dem Lindener Ruderverein „Triton" und der in Konkurs gegangenen Rudergesellschaft Linden („HALI") zum Deutschen Ruderclub/DRC. Das neue Domizil mit Bootshaus und Anleger wurde an der Ihme neben der heutigen Legionsbrücke bezogen. Beim Zusammenschluss der genannten Vereine war der Ruderverein Linden von 1911 übrigens außen vor gelassen worden. Als Verein aus dem Arbeitermilieu passte er angeblich nicht zur gesellschaftlich gehobenen DRC-Klientel.

Im strengen Winter 1940/41, als die Leine völlig zugefroren war, wurde die  hölzerne Fußgängerbrücke zur Schwanenburg-Insel durch die Eismassen stark beschädigt. Wegen der verzogenen Brückenpfähle gab es ein unregelmäßiges Auf und Ab des Übergangs. Der Volksmund erfand dafür bald den Namen „Rialto-Brücke". Beim Jahrhunderthochwasser im Februar 1946 erlitt die Brücke weiterer Schäden, so dass ihre Überreste endgültig abgerissen werden mussten.

Inzwischen versandete der alte Leinebogen im Osten der Insel immer mehr. Es war immer schwieriger, mit den Ruderbooten vom Anleger auf das offene Wasser zu gelangen. Deshalb wurde auf der Nordseite der Insel ein neuer Bootssteg zur Leine hin angelegt.

Danach schüttete man im Jahre 1949 den versandeten Wasserarm mit dem reichlich vorhandenen Trümmerschutt aus der bombengeschädigten Stadt endgültig zu. Der ehemalige Westteil der Schwanenburg-Insel zwischen dem Mündungslauf der Fösse im Süden und der Leine im Norden wurde dadurch zu einer Halbinsel. Aus einer Jubiläumszeitschrift des Turn-Clubs Limmer e.V. geht hervor, dass sich die Vereinsmitglieder mit rund 25.000 Arbeitsstunden am Zuschüttung des alten Leinearms beteiligt haben.


Durch den Raumgewinn konnte auf der Halbinsel ein neuer Sportplatz angelegt werde. Die Schießsportgesellschaft Limmer von 1894 leistete den Sportkameraden im wahrsten Sinne des Wortes "Schützenhilfe", indem sie beim Ausheben eines langen Grabens für die Verlegung von Versorgungsleitungen kräftig mit anpackte. Im Gegenzug erwarb sie sich damit das Recht, ihr jährliches Schützenfest auf dem dortigen Gelände des limmerschen Turn-Clubs zu feiern.

Heute ist "die Insel" so wie früher eine beliebte grüne Oase für Spiel, Sport und Erholung und auch weiterhin Heimat des Rudervereins Linden von 1911. Der Turn-Club Limmer e.V. hatte sich 1977 mit dem  Sportverein Limmer 1910 zusammengeschlossen und das alte Domizil verlassen. Als Turn- und Sportverein (TSV) Limmer e.V. sind die Mitglieder nun auf der Bezirkssportanlage an der Holzrehre 8 hinter dem  Limmerbrunnen beheimatet.


Es gibt drei Brückenzugänge zur ehemaligen Schwanenburg-Insel: Von Osten überquert man auf dem Leine-Uferweg eine aufgeständerte Holzbrücke, unter der hindurch die Mitglieder des Rudervereins Linden von 1911 ihre Boote zum Anleger tragen. Aus Richtung Süden gibt es von der Wunstorfer Straße her einen Übergang über die Fösse. Und nach Westen über die Fössemündung hinweg führt der Weg vom westlichen Zipfel der Halbinsel zum "Festland" im Bereich der Limmeraner Ratswiese.

Damit  gibt es eine durchgehende Verbindung für Fußgänger und Radfahrer auf dem langen Uferweg von Linden zur limmerschen Schleuse des Leineabstiegkanals, gleich neben der „Conti" beim Kanu-Club Limmer am Stockhardtweg.

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