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Straßenfußball

Adresse

Elisenstraße
30451 Hannover

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[Foto 2010: Michael Jürging]

[Foto 2010: Michael Jürging]

Straßenfußball

[Station 2 der Tour "Unvollständige Rückkehr an vergangene Orte"]

Eigentlich hießen die Jungen: Horst, Karsten, Günter, Gerd, Bernd, Willy, Walter, Udo, Peter, Klaus, Hans-Jürgen, Karl-Friedrich, Werner oder so. Doch gerufen wurden sie: Zaza, Hoschen, Hanna, Hase, Piko, Polle, Koli, Waller, Fredi, Schimmel, Fitti, Affe, Kalle und Agathe oder sonst wie. Diese Spitznamen waren Ehrennamen. Wer keinen hatte, gehörte nicht wirklich dazu! Wurden wir Lindener Butjer genannt, waren wir darauf kein bisschen stolz. Jeder von uns, der so bezeichnet wurde, fühlte sich beschimpft.

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Auf der Limmerstraße hatten wir keine Straßenmannschaft. Manchmal dachte ich, es liegt daran, dass sie so lang ist und wenn schon nicht das Herz, so doch mindestens die Schlagader des ganzen Viertels. In der Mannschaft der Elisenstraße durfte ich nur mitspielen, wenn sie einen brauchten. Schließlich wohnte ich nicht in der Straße und ging außerdem zur Mittelschule. Kam während des Spiels einer aus dieser Straße dazu, der wohlmöglich auch noch Volksschüler war, räumte ich für ihn freiwillig, wortlos und ohne Murren, doch traurig meinen Platz. Ich kannte die Regeln. Aber es war wirklich schlimm und tat richtig weh.

...

Wenn auf der Straße Fußball gespielt wurde, was nur in Nebenstraßen möglich war, markierten Schultaschen, Tornister, zusammengerollte Jacken, größere Steine, geholt von einem Trümmergrundstück, die überall gleich nebenan waren, die Torpfosten. Der Traum von einem Lederball blieb unerfüllt. Es war ein Gummiball mit dem gespielt wurde und der Pille genannt wurde. Dabei wusste jeder, so hieß das Lederei beim Rugby, von dem wir nur als Röpki sprachen.

Keinen Streit gab es über die Höhe der Tore: Die unsichtbare Latte befand sich, wie jeder der mitspielte wusste, eine Armlänge über dem Kopf des Torwarts. Kam eines der wenigen Autos, musst das Spiel unterbrochen werden. Nicht selten wurden dadurch die schönsten Spielzüge, die Erfolg versprechendsten  Angriff zunichte.

Viel besser war es auf einem der eingeebneten Trümmergrundstücke zu spielen, am Brackebuschgarten oder an der Bennostraße. Aber da konnte es passieren, dass auf dem Platz schon andere waren. Dann konnte man nur warten bis sie aufhörten, oder versuchen, die zu verjagen, also eine Prügelei riskieren, oder aber man zog unverrichteter Dinge wieder ab.

Hinweis: Am Ende dieses POI befindet sich eine Tondatei zum Anklicken. Sie hören darin den Autor Günter Müller, der eine Passage zum Straßenfußball aus seinem Buch liest, im O-Ton.

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