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6 Zur Villa Osmers und anderen Gebäuden

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Am Lindener Berge 36
30449 Hannover

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Station 6 der Adam-Seide-Tour: Villa Osmers

Villa Osmers [Foto 2017: Manfred Wassmann]

Villa Osmers [Foto 2017: Manfred Wassmann]

6 Zur Villa Osmers und anderen Gebäuden

… worin er, so seine Erinnerung, auch einen Schulfreund gehabt hat, und nun weicht der Buchtext wieder, diesmal von der Geschichte, ab: Vater Bürgermeister, schon alt, pensioniert, entnazifiziert, ob der überhaupt noch lebt? Ein Bürgermeister hat hier nie gewohnt. Erbaut ist die Villa Osmers (1903) für den Mittelschulrektor Osmers, daher auch noch heute der Name, ab 1925 gehörte sie Erich Obermann, der war Kaufmann, nach dem Krieg Willy Hardtke, der war Ingenieur, und seit 1978 der Familie Hoffmann, Zahnärzte in der drittten Generation.

Aus verschiedenen Quellen ist allerdings bekannt, dass sämtlich Häuser, den Lindener Berg hinunter, von Nazigrößen, von denen es auch anderswo im roten Linden gar nicht wenige gab, bewohnt waren, und mindestens eine von denen nach „Ende des Dritten Reiches“ versucht hat, sich im verwinkelten Dachstuhl der Villa Osmers zu verstecken und so der Verhaftung zu entgehen. Doch weiter im Text des Buches:

Auf der Anhöhe breit hingelagert der Wasserbehälter. (Zurzeit nicht zu besichtigen, da angeblich Undichtigkeiten festgestellt wurden!? Wie dem auch sei, auf jeden Fall ist ein Besuch nichts für Klaustrophobiker, die Enge zwischen Wassertanks und Außenmauer ist bedrängend.) Er ist von beträchtlichem Umfang und Ausmaß, das ganze Trinkwasser für Linden enthaltend, von hier in den Ort hinunterfließend, der braun-schwarze (?), hier übliche Klinkerstein glänzt, daran aber geht, geht, geht Lampenschirm vorbei. Biegt links ein, bemerkt gleich, was er auch sehen will: die alte Windmühle, beliebtes Motiv, aber nicht mehr in Betrieb, schon lange nicht mehr, auch die Flügel sind ihr gestutzt, geht darauf zu, bleibt bei ihr stehen, hält sich seitlich tatsächlich (auf Distance) ein wenig bei ihr auf: ein Gartenrestaurant, Sommer, Eis, Limonade, grün, aus kleinen Flaschen, die mit einer Glaskugel verschlossen waren, Schmöker, ganze Nachmittage hat er hier vertrödelt, die ersten Rendezvous, es ist schon lange her, es ist noch nicht so lange her, lange vorbei dennoch, geht nicht mehr, ist nicht mehr, auch keine Erinnerung mehr daran, nein.

Lampenschirm bleibt nicht mehr stehen, wendet sich brüsk ab. Lampenschirm geht, er geht, geht, geht, geht weiter …

[© Günter Müller]

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